Nervensystem
1. Peripheres Nervensystem:
- Nervenfasern sind entweder markhaltige Axone oder Remak-Fasern, welche aus mehreren marklosen Axonen bestehen die in eine Schwann-Zelle eingebettet sind
- Ein peripherer Nerv besteht aus einer verschieden großen Zahl von Nervenfasern
Endoneurium:
- Es umgibt die einzelnen Nervenfasern innerhalb eines Nervenfaserbündels
- Das Endoneurium enthält Blutgefäße und Kapillaren, Mastzellen und Histiozyten
- Besteht aus Bindegewebszellen, einer homogenen Grundsubstanz und kollagenen Fasern
Perineurium:
- Es umgibt die Nervenfaserbündel
- Besteht aus konzentrisch angeordneten Schichten flacher Zellen, dem Neurothel, Mesothel oder perineuralem Endothel; zwischen den einzelnen Zellagen können kollagene Fibrillen eingelagert sein
- Die Zellen sind durch Zonulae occludentes verbunden und von einer Basallamina bedeckt
- Das Perineurium bildet eine Diffusionsbarriere die nur einen selektiven Stoffdurchtritt erlaubt (=> Nerv-Körper-Schranke)
Epineurium:
- Ist das Bindegewebe zwischen den von Perineurium umgebenen Nervenfaserbündeln
- Es ist ein lockeres Bindegewebe das kollagene Fasern, elastische Netze und Fettzellen enthält
- Es läßt sich in ein epifaszikuläres und ein äußeres Epineurium teilen
- Im Epineurium verlaufen Blut- und Lymphgefäße
- Die Blut-Nerven-Schranke besteht aus dem Perineurium und dem Kapillarendothel der Blutgefäße
2. Zentralnervensystem:
| Graue Substanz | Weiße Substanz |
|---|---|
| Enthält Zellkörper, Dendriten und Neuriten | Enthält vor allem markhaltige und marklose Nervenfasern |
| Liegt im Rückenmark zentral, im Gehirn peripher | Liegt im Rückenmark peripher, im Gehirn zentral |
| Ist stark vaskularisiert | Erhält ihre weiße Farbe durch die stark fetthaltigen Markscheiden |
- Afferente Nervenfasern: Vom Rezeptor zum ZNS hinführende Nervenfasern, sensibel
- Efferente Nervenfasern: Vom ZNS zum Effektor führende Nervenfasern, motorisch (z.B. somatomotorisch, viszeromotorisch, etc.)
- Aufsteigend: Von niederen Zentren (z.B. Rückenmark) zu höheren Zentren (z.B. Gehirn)
- Absteigend: Von höheren zu niederen Zentren
| Exterozeptive Afferenzen = Von der Haut kommende Nervenfasern (z.B. Temperaturrezeptoren) | Enterozeptive Afferenzen = Aus dem Körperinneren kommende Nervenfasern | |
| Viszerozeptive Afferenzen = Von den Eingeweiden kommende Nervenfasern | Propriozeptive Afferenzen = Vom Bewegungsapparat kommende Nervenfasern (z.B. Mechanorezeptoren) | |
- Wurzelzellen sind Nervenzellen, deren Neuriten über Wurzeln das Rückenmark verlassen
- Strangzellen (=Projektionsneurone) sind Nervenzellen, deren Neuriten aus der grauen in die weiße Substanz übertreten, und in einem der Stränge des Rückenmarks auf- oder absteigen um zu höher oder tiefer gelegenen Kernen (=Zentren des Rückenmarks oder Gehirns) zu gelangen; dazu gehört zum Beispiel das zweite Neuron der protopathischen Sensibilität nach der Umschaltung im Rückenmark
- Die Axone von Binnenzellen teilen sich innerhalb der grauen Substanz, wo sie lokale Regelkreise speisen
- Ein Ganglion ist eine Ansammlung von Zellsomata, hat aber keine Bedeutung für die Verschaltung der Nervenzellen
- Ein Tractus ist ein Bündel von Nerven, die den gleichen Ansatzpunkt und ein ähnliches Ziel haben (z.B. Tractus spinobulbaris, Tractus spinothalamicus, Tractus spinocerebellaris, Tractus corticospinalis=Pyramidenbahn)
Aufbau des Rückenmarks:

- Die Spinalganglien am Rückenmark besitzen pseudounipolare Nervenzellen
3. Die Hüllen des ZNS:
Pia mater:
- Zartes Bindegewebe aus kollagenen Fibrillen
- Enthält Arterien und Venen
Arachnoidea (mater):
- Besteht aus einem bindegewebigen Bälkchenwerk (=Trabeculae arachnoideae) und einer kontinuierlichen Gewebsplatte aus zartem Bindegewebe
- Folgt nicht in die Sulci des Gehirns
- Enthält Makrophagen
- Zwischen Arachnoidea und Dura mater liegt ein ein- bis mehrschichtiger Verband epithelial aneinandergrenzender Zellen, das subdurale Neurothel (Mesothel)
Dura mater:
- Besteht aus straffem kollagenem Bindegewebe, enthält aber auch elastische Fasern
- Dazwischen befinden sich eine mukopolysaccharidreiche Grundsubstanz und Fibroblasten
Ependym:
- Kleidet die Hirnventrikel und den Zentralkanal aus
- Ist ein einschichtiger Zellverband aus Ependymozyten (Gliazellen)
- Die Zellen besitzen Mikrovilli und Kinozilien aber keine Zonulae occludentes
Plexus choroideus:
- Einstülpung von Lamina choroidea und Tela choroidea in den Ventrikelraum
- Bildet eine selektive Blut-Liquor-Schranke
- Der Plexus choroideus produziert den Liquor cerebrospinalis
Liquor cerebrospinalis:
- Füllt die inneren Hohlräume des ZNS und den Subarachnoidalraum von Gehirn und Rückenmark
- Bildet einen mechanischen Schutz und dient dem Ausgleich von Temperatur- und hydrostatischen Druckschwankungen
- Enthält außer ein paar spezifischen Proteinen nur sehr wenig Eiweiß
- Der Liquor cerebrospinalis wird im Plexus choroideus und im Interzellularraum produziert und befindet sich in ständiger Bewegung die u.a. durch den Kinozilienschlag des Ependyms aufrechterhalten wird
- Der Liquor wird zum Teil über die Arachnoidalzotten in das Blut resorbiert, gelangt aber zum Teil auch in das Lymph- und Venensystem
4. Blut-Hirn-Schranke:
- Besteht aus dem geschlossenen Kapillarendothel, einer Basallamina und der Membrana limitans perivascularis gliae
- Zwischen den Endothelzellen existieren Tight junctions und es gibt kein transzelluläres, vesikuläres Transportsystem
- Lipidlösliche Moleküle können die Barriere überwinden, wasserlösliche müssen spezifische Transportsysteme benutzen
5. Aufbau des Gehirns:
| Cortex (=Endhirn) | ||
| Isocortex (=Großhirn): Ursprünglich 6-schichtig | Allocortex (1-3 schichtig) | |
| Archicortex | Paläocortex | |
- Gyrus: Aufwerfungen der Gehirnoberfläche
- Sulcus: Vertiefungen der Gehirnoberfläche
Aufbau der Großhirnrinde:
- Molekulare Schicht
- Äußere Körnerschicht: Besitzt Stern- und Korbzellen
- Äußere Pyramidenschicht
- Innere Körnerschicht: Besitzt ebenfalls Stern- und Korbzellen
- Innere Pyramidenschicht: Besitzt Betz-Riesenzellen
- Multiforme Schicht
Aufbau der Kleinhirnrinde:
- Molekulare Schicht: Besitzt oberflächlich Sternzellen, tiefer gelegen Korbzellen
- Purkinje-Zellschicht: Besitzt Purkinje-Zellen
- Körnerschicht: Besitzt Körnerzellen und Golgizellen
| Afferente Fasern: | Kletterfasern: | Kommen vom Ncl. olivaris inf. und enden an den Dendriten der Purkinje-Zellen |
| Moosfasern: | Kommen vom Labyrinth und vom Rückenmark und enden an den Dendriten der Körner- und Golgizellen; die Axone der Körnerzellen, die sogenannten Parallelfasern, sind mit den Dendriten vieler Purkinje-Zellen verbunden | |
| Efferente Fasern: | Axone der Purkinje-Zellen: | Sind die einzigen efferenten Fasern des Kleinhirns und haben vor allem einen hemmenden Einfluß auf die motorische Steuerung |
- Das Kleinhirn dient der Regulation der Motorik und zusammen mit dem Labyrinth der Aufrechterhaltung des Körpergleichgewichts; es »glättet« die Bewegungen, koordiniert ihre zeitliche Abfolge und den Muskeltonus, löst aber keine Bewegungen selbst aus
- Eine Störung des Kleinhirns äußert sich in:
- Stand- und Gangunsicherheit (Ataxie), die im Gegensatz zu einer spinalen Ataxie nicht optisch kontrolliert werden kann, also auch bei geöffneten Augen auftritt
- Dys- (A-) diadochokinese: Die Koordination der rechten und der linken Körperhälfte ist unterschiedlich
- Dysmetrie: Zielgerichtete Bewegungen sind erschwert
- Der Muskeltonus ist allgemein erniedrigt
- Der Betroffene hat eine skandierende, abgehackte Sprache