Allgemeine Histologie
Spezielle Histologie
Sinnesorgane
1. Auge:
Cornea:
- Transparent, nicht durchblutet und sehr widerstandsfähig
- Aus mehreren Schichten aufgebaut:
- Epithel (5-6 Schichten unverhornter Zellen)
- Bowman'sche Membran (zellfreie Kollagenschicht)
- Stroma (Kollagenlamellen)
- Descemet'sche Membran (Basallamina)
- Endothel (einschichtig, flaches Mesothel)
- Die Cornea ist sehr gut sensibel versorgt
- Innerhalb der Kollagenlamellen liegen die Kollagenfibrillen dicht gepackt parallel; sie enthalten eine Kittsubstanz und eingelagerte Fibroblasten
Iris:
- Sie ist gegen die hintere Augenkammer durch eine Pigmentepithelschicht abgegrenzt, gegen die vordere Augenkammer bildet sie eine lückenhafte Lage verzweigter Mesothelzellen; dazwischen liegen ein lockeres Bindegewebe, Muskulatur, Gefäße und Nerven
- Das Pigmentepithel und die Muskulatur entstammen embryonal dem neuroektodermalen Augenbecher, das Stroma und das Mesothel dem Mesenchym der Kopfganglienleiste
- Der M. sphincter pupillae und der M. dilatator pupillae entwickeln sich aus dem Pigmentepithel
Ziliarkörper:
- Sein unpigmentiertes Epithel sezerniert das Kammerwasser und wahrscheinlich auch die Hyaluronsäure des Glaskörpers
- Die Funktion des Pigmentepithels ist unbekannt
- Eine Kontraktion des M. ciliaris, der aus drei Schichten glatter Muskelzellen besteht, führt zu einer Erschlaffung der Linse
Linse:
- Sie besteht aus einer Kapsel, einem subkapsulären Epithel und Linsenfasern
- Der Linsenkörper läßt sich in eine weiche, zähe Rinde und einen festeren, weniger wasserhaltigen Kern untergliedern
Glaskörper (=Corpus vitreum):
- Er besteht zu 99% aus Wasser und ist zellfrei; der Rest besteht aus Hyaluronsäure und kollagenen Mikrofibrillen
- Bindegewebige Septen unterteilen den Glaskörper
Retina:
- Entwickelt sich aus der Augenblase und ist somit neuroektodermalen Ursprungs; von den zwei übereinanderliegenden Schichten des Augenbechers wird das innere Blatt Stratum nervosum (Schichten 2-10), das äußere Stratum pigmentosum retinae (Schicht 1) genannt
- Die Retina ist nur an der Ora serrata, dem Übergang von der Pars optica zur Pars caeca retinae über dem Ciliarkörper und der Iris, sowie am Sehnervenaustritt an ihrer Unterlage befestigt, was die häufigen Netzhautablösungen erklärt
- Die gefäßfreie Fovea centralis in der Macula lutea ist der Ort des schärfsten Sehens, am Discus n. optici befindet sich der Sehnervenaustritt und keine Photorezeptoren; über den Discus n. optici tritt außerdem die A. centralis retinae in die Retina ein und teilt sich in einen oberen und einen unteren Ast, die sich jeweils wieder in einen nasalen und einen temporalen Zweig aufteilen
- Die Photorezeptoren der Retina bilden das 1. Neuron, die Bipolarzellen das 2. Neuron und die Ganglienzellen, deren Axone über den Sehnerv auf die Hauptzellen des Corpus geniculatum laterale projizieren, das 3. Neuron der Sehbahn
- Die Zapfen der Retina dienen dem Tages- und Farbensehen (photopisch), die Stäbchen dem Dämmerungssehen (skotopisch); es gibt im Menschlichen Auge ca. 110-125 Mio. Stäbchen und 5-7 Mio. Zapfen; in der Fovea centralis existieren ausschließlich Zapfen deren Dichte hier sehr hoch ist; außerdem fehlen hier die über dem Sinnesepithel liegenden Schichten, sodaß die Zapfen frei liegen
- Das Außensegment der Stäbchen und Zapfen enthält den Sehfarbstoff; es ist über ein Zilium mit dem Innensegment verbunden; daran schließt sich über eine Einschnürung (Außenfaser) der den Kern enthaltende Teil der Zelle an; die Innenfaser (Axon) leitet zum Endknöpfchen (Stäbchen) bzw. Endkolben (Zapfen) über
- Das Außensegment besteht aus Membranstapeln, deren äußerste Anteile abgestoßen und von den Pigmentepithelzellen phagozytiert werden; an der Basis des Außensegments werden neue Membranstapel synthetisiert und dann nach außen verschoben; in den Außensegmenten befindet sich das Sehpigment Rhodopsin, das aus dem Protein Opsin und dem Chromophor Retinal besteht
- Das Innensegment besteht aus einem distalen, azidophilen Ellipsoid, das mit Mitochondrien ausgefüllt ist, und einem proximalen basophilen Myoid in dem sich glattes ER, Ribosomen und Anteile des Golgi-Apparates befinden
- Die Bipolarzellen leiten die Information nach zentral weiter; man unterscheidet bei den Zapfen invaginierende von flachen Zapfenbipolarzellen, sowie diffuse von Zwergbipolarzellen
- Die Horizontal- und Amakrinzellen bilden Quervernetzungen; man unterscheidet zwei Typen von Horizontalzellen: die Axone der HI-Zellen sind mit den Endknöpfchen der Stäbchen verbunden, die der HII-Zellen mit den Zapfenendkolben
- Die Müller-Zellen sind radiäre Gliazellen, die sich von der inneren bis zur äußeren Grenzmembran erstrecken; sie haben eine Funktion als Stützgerüst und als elektrischer Isolator
- Die Amakrinzellen sind Interneurone, die kein typisches Axon besitzen; es gibt mehr als 30 verschiedene Typen von Amakrinzellen
- Es lassen sich an der Retina lichtmikroskopisch zehn Schichten unterscheiden:
- Stratum pigmentosum: überzieht auch die inneren Flächen des Ciliarkörpers und der Iris; einschichtig isoprismatisches Epithel; die Zellen können abgeschilferte Partikel der Außensegmente der Photorezeptoren phagozytieren; außerdem ermöglichen sie den Stoffaustausch zwischen der Choroidokapillaris und den Photorezeptoren, regenerieren Retinal und schirmen die Außensegmente der Photorezeptoren vor Schädigung durch Photooxidation ab
- Stratum neuroepitheliale: Außen- und Innensegmente der Stäbchen und Zapfen
- Stratum limitans externum: liegt am Übergang des Myoids in die Außenfaser der Stäbchen bzw. das Zapfensoma; wird durch Zonulae adhaerentes zwischen den Müllerzellen und dem Innensegment von Stäbchen und Zapfen gebildet
- Stratum nucleare externum: besteht aus den Perikaryen der Stäbchen und Zapfen
- Stratum plexiforme externum: die Außenzone enthält die Axone der Zapfen und Stäbchen, die Mittelzone die Endknöpfe der Stäbchen und die Endkolben der Zapfen und die Innenzone die verzweigten Fortsätze der Bipolar- und Horizontalzellen; die Endkolben besitzen invaginierende Zellkontakte in Form der Triaden, flache synaptische Kontakte und seitliche Nexus mit anderen Zapfen oder Stäbchen; die Endknöpfe der Stäbchen besitzen meist nur eine Invagination
- Stratum nucleare internum: enthält die Perikaryen der Horizontal-, Bipolar-, Müller-, und Amakrinzellen (denen auch die interplexiformen Zellen zugeordnet werden)
- Stratum plexiforme internum: besteht aus Fortsätzen der Amakrin-, Bipolar-, und Ganglienzellen, die hier eine Vielzahl von Synapsen bilden
- Stratum ganglionare: enthält Ganglienzellen und deplazierte Amakrinzellen
- Stratum neurofibrarum: die Axone der Ganglienzellen laufen in der Nervenfaserschicht in radialer Richtung zur Papilla und bündeln sich dort zum N. opticus; die Axone verlaufen dabei in Faserbündeln
- Stratum limitans internum: besteht aus den Endfüßchen der Müllerzellen und Astrozyten sowie aus einer Basalmembran
Augenlieder:
- Die Tarsi werden vom M. levator palpebrae und vom M. tarsalis geöffnet
- In den Haarschaft der Wimpern münden die Zeiss'schen Drüsen (Talgdrüsen); daneben liegen die Moll'schen Drüsen (Duftdrüsen) und die Meibom'schen Drüsen (Talgdrüsen)
Tränendrüse:
- Sie liegt oberhalb des lateralen Liedwinkels
- Die sezernierte Tränenflüssigkeit fließt über die Tränenpünktchen in die Tränenkanälchen, von dort in den Tränensack, und dann weiter über den Tränennasengang in den Meatus nasi inferior
Kammerwasser:
- Es wird vom unpigmentierten Epithel der Ziliarfortsätze in die hintere Augenkammer abgegeben
- Der Abfluß erfolgt im iridokornealen Winkel durch den Schlemm'schen Kanal in Kollektorvenen
- Das Kammerwasser besitzt eine Nährfunktion für die Linse und Teile der Cornea
2. Ohr:
- Das Mittelohr und die Paukenhöhle sind durch das Trommelfell getrennt
- Die Paukenhöhle, in der Hammer, Amboß und Steigbügel liegen, ist über die Tuba auditiva mit dem Pharynx verbunden
- Das Labyrinth liegt im Schläfenbein, ist mit Endolymphe gefüllt und von Perilymphe umgeben; die Hohlräume im Os temporale in dem das Labyrinth liegt werden als knöchernes Labyinth bezeichnet
Schnecke und Bogengangsystem:
- Die Endolymphe wird von der Stria vascularis der Schnecke gebildet
- Der vestibuläre Anteil des Innenohres besteht aus Sacculus, Utriculus und den drei Ductus semicirculares
- Die Sinneszellen der Cochlea sind die inneren und die äußeren Haarzellen die Stereozilien besitzen; die Sinneszellen der Cristae ampullares in den Bogengängen besitzen Stereozilien sowie ein Kinozilium
- Der Hohlraum der Schnecke wird in Ductus cochlearis, Scala vestibuli und Scala tympani unterteilt; zwischen dem Ductus cochlearis und der Scala vestibuli liegt die Reissner'sche Membran, und zwischen der Scala vestibuli und der Scala tympani die Lamina basilaris, auf der auch das Corti'sche Organ liegt
- Das Epithel der Stria vascularis ist das einzige Epithel des menschlichen Körpers, das Kapillaren besitzt; es pumpt Kalium in den Endolymphraum
- Die afferenten Neurone sind die bipolaren Nervenzellen des Ganglion spirale