Protozoen
1. Toxoplasma gondii
- Kann alle Säugetiere infizieren; Endwirt: Katze (sexuelle und asexuelle Vermehrung); Zwischenwirt: alles mögliche (nur asexuelle Vermehrung)
- Obligat intrazellulärer Erreger
- Die Prävalenz steigt proportional zum Alter; ca. 50% aller Schwangeren in Deutschland sind seropositiv
- Ist weltweit verbreitet, kommt aber vor allem in warmen, feuchten Gebieten mit Katzen vor
- Übertragung: ungewaschenes Gemüse (Oozysten), rohes Fleisch (Zysten in infizierten Schweinen, Schafen oder Vögeln), diaplazentar, bei Transplantationen
- Inkubationszeit: 1-3 Wochen; verläuft meist asymptomatisch, evtl. zervicale Lymphadenopathie, Fieber, selten Myalgien
- Kongenitale Toxoplasmose: tritt bei einer Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft auf:
- 25%iges Risiko im ersten Trimenon mit meist schweren Verläufen (Hydrocephalus, mentale Retardierung, cerebrale Kalzifizierungen, Hepatitis, Pneumonie)
- 75%iges Risiko im dritten Trimenon mit leichteren Verläufen
- Die meisten Kinder entwickeln im 2.-3. Lebensjahrzehnt eine okulare Toxoplasmose mit Mikrophtalmie, Katarakt und Nystagmus
- Bei einer Infektion der Mutter vor der Schwangerschaft und somit vorhandenen Antikörpern im Serum besteht dagegen keine Gefahr für den Fötus
- Bei AIDS ist eine Toxoplasmose die häufigste Ursache eines fokalen Gehirnschadens meist durch eine sekundäre Reaktivierung verursacht (Retinochoroiditis, Husten, Dyspnoe)
- Diagnostik: Mikroskopie, Serologie (Sabin-Feldman Test); PCR aus Fruchtwasser
- Therapie: Die Chemotherapie ist ziemlich toxisch
2. Giardia lamblia (=G. intestinalis, =G. duodenalis)
- Ist das häufigste Protozoen-Enteropathogen weltweit; besonders in Entwicklungsländern und bei Kindern bis fünf Jahren vorkommend
- Übertragung: fäko-oral, sexuell, Wasser, Nahrungsmittel; die infektiöse Dosis beträgt nur 10-100 Zysten
- Inkubationszeit: 3-20 Tage; die Infektion verläuft meistens asymptomatisch, bei manifester Infektion kann es aber auch zu rezidivierenden wässrigen Diarrhoen, Steatorrhoe, Übelkeit und abdominellen Beschwerden kommen; bei einer chronischen Persistenz des Erregers können zusätzlich ein Vit. A- und B12-Mangel auftreten
- Diagnose: Mikroskopie von Zysten im Stuhl oder von Trophozoiten im Duodenalsaft; ELISA
- Therapie: Metronidazol, Ornidazol, Tinidazol, Albendazol
3. Entamoeba histolytica
- Weltweit dritthäufigste parasitäre Todesursache (nach Malaria und Schistosomiasis)
- Übertragung von Zysten: fäko-oral, Nahrungsmittel, Wasser, sexuell von asymptomatischen Zystenträgern
- Verläuft zu 90% asymptomatisch da es pathogene und apathogene Arten gibt
- Die Trophozoiten können in die Darmwand eindringen, auf dem Blutweg in andere Organe gelangen und alle Gewebe inklusive Knochen zerstören, verursachen aber vor allem Leberabszesse
- Intestinaler Befall (Amöbenruhr): Allmählicher Beginn, blutig-schleimige Diarrhoe, Druckschmerz, Tenesmus, Fieber, leichte Hepatomegalie, flaschenhalsähnliche Ulzerationen; Komplikationen: fulminante Colitis, Peritonitis, Amoeboma/Granuloma (tumorartige Verdickungen der Darmwand)
- Amöbenleberabszess: Abrupter Beginn, hohes Fieber, Schmerzen im rechten Oberbauch, evtl. Ikterus, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen; nur 10% haben gleichzeitig eine Diarrhoe, bei nur 50% sind Parasiten im Stuhl nachweisbar; Verlauf: Heilung, Ruptur, Dissemination
- Diagnose: Mikroskopie von Stuhl, Duodenalsaft, Lebergewebe; Serologie; extraintestinaler Befall: CT, Sonographie
- DD: Shigellen, Salmonellen, Campylobacter, E. Coli, Yersinien
- Therapie: Je nach Stadium der Infektion durch Lumenamoebozide oder Gewebeamoebozide (z.B. Metronidazol ( Handelsname Clont)); Punktion oder chirurgische Entfernung von Abszessen
Entamoeba histolytica ist chlorresistent => Wasser 10 min abkochen