Ischämischer Hirninfarkt
Ätiologie:
- Embolien sind die häufigste Ursache von Schlaganfällen. Sie kommen aus dem Herz (Vorhofflimmern, Ventrikelaneurysma, Endokarditis, Herzklappenersatz, dilatierte Ventrikel bei Herzinsuffizienz), Aorta asc., Carotiden, Vertebralarterien, intrakraniellen Arterien und als paradoxe Embolien aus dem venösen Gefäßsystem über ein offenes Foramen ovale
- Arteriosklerotisch bedingte Stenosen die hämodynamisch wirksam werden und zu Grenzzonen- oder Endstrominfarkten führen
- Lokale arterielle Thromben arteriosklerotischen Ursprungs
- Dissektion vor allem der Carotis, häufig nach einem Trauma oder chiropraktischen Maßnahmen
- Koagulopathien: AT III-Mangel, Protein C-Mangel, Protein S-Mangel, APC-Resistenz, thrombotisch-thrombozytopenische Purpura, disseminierte intravasale Gerinnung (DIG), Heparin induzierte Thrombozytopenie (HIT)
- Immunologisch: Meningitis oder Vaskulitiden wie zum Beispiel Panarteriitis nodosa, SLE, Wegener-Granulomatose
- Drogenabusus: Heroin, Kokain, Crack, Extasy
Risikofaktoren:
- Hypertonus
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- Hypercholesterinämie
- Vorhofflimmern
- Alkoholabusus
- Carotisstenosen
- Gerinnungsstörungen
- Orale Kontrazeptiva
- Migräne mit Aura
- Infektionen
Einteilung:
- Nach dem zeitlichen Ablauf:
- TIA (Transitorisch ischämische Attacke): Innerhalb von 24 Stunden vollständig reversibel
- PRIND (Prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit: Länger als eine TIA andauernd aber vollständig reversibel
- Progredienter Insult
- Vollendeter Insult
- Nach der Morphologie:
- Territorialinfarkt: Bei Verschluß großer Arterien, vor allem embolisch
- Endstrominfarkt: Unzureichende Perfusion der "letzten Wiesen"
- Grenzzoneninfarkt: Zwischen den Versorgungsgebieten zweier Gefäße
- Mikroangiopathisch: Multiple lakunäre Infarkte bei Systemerkrankungen (v.a. Hypertonie)
Klinik:
- A. ophthalmica: Amaurosis fugax, ein sich meist von oben nach unten ausdehnender Visusverlust
- A. cerebri media: Armbetonte Hemiparese, Hemihypaesthesie, Dysarthrie, Aphasie, Hemianopsie
- A. cerebri anterior: Beinbetonte Hemiparese, Harninkontinenz bei Läsion des kortikalen Blasenzentrums
- A. vertebralis: Schwindel, Nystagmus, Doppelbilder, Tonusverlust, Hirnstamminfarkt
- A. cerebelli inf. post. (PICA): Ataxie, rotierender Spontannystagmus, Dysmetrie, Zeigeataxie, Rebound-Phänomen
- Wallenberg-Syndrom: Bei Verschluß eines Gefäßastes aus der A. cerebelli inf. post. welcher die dorsolaterale Medulla oblongata versorgt. Es kommt zu einer kontralateralen dissoziierten Sensibilitätsstörung am Körper, ipsilateral zu einer dissoziierten Sensibilitätsstörung im Gesicht, Horner-Syndrom, Paresen des IX. und X. Hirnnerven, Hemiataxie, Dysarthrie, Doppelbilder, Schwindel und Nystagmus. Keine Hemiparese oder Pyramidenbahnzeichen
- A. basilaris: Bilaterale und gekreuzte klinische Symptome: Ipsilaterale Hirnnervenlähmungen und kontralaterale Symptome der langen Bahnen
- A. cerebri posterior: Homonyme Hemianopsie, oft unter Aussparung des zentralen Sehens, Desorientiertheit, Hemineglect, Hemiataxie, Okulomotorikstörungen
- Lakunäre Infarkte führen unter anderem zu einer vaskulären Demenz
Diagnose:
- CT, frühe Zeichen nach 2-6 Stunden
- MRT, MR-Angio
- Angiographie
- Ultraschall: Extrakranielle- und transkranielle Doppleruntersuchung
- Kardiologische Diagnostik
- EEG und evozierte Potentiale bei epileptischen Anfällen im Verlauf und bei Verdacht auf psychogen bedingten Insult
- Neuropsychologische Diagnostik
DD:
- Blutung, Subarachnoidalblutung, Sinusthrombose
- Hypoglykämie: Kann auch fokale neurologische Symptome verursachen
- Todd'sche Lähmung nach fokalem oder sekundär generalisiertem Krampfanfall
- Enzephalitis oder Meningoenzephalitis
- Migräne mit Aura
- Hirntumoren
Therapie:
- Lysetherapie: Innerhalb von 3-6 Stunden, systemisch mit rtPA oder lokal mit Urokinase, Kontraindikationen sind unter anderem Blutungen oder sichtbare Infarktzeichen im CT, hemiplegischer und bewußtseinsgetrübter Patient
- Antikoagulation mit Heparin i.v.
- Hirndruckbehandlung: Glycerol, Mannitol, kurzfristige Hyperventilation, THAM, Barbiturate, Dekompressionskraniotomie
- Hypervolämisch-hypertensive Hämodilution: Bei ischämischen Infarkten mittels Plasmaexpandern und Vasokonstriktoren
- Allgemeintherapie: Blutdruck senken nur bis Werte um die 200 mmHg, Blutzucker normalisieren, Fieber senken, Oxygenierung
- Rehabilitation: Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie
Prophylaxe:
- Risikofaktoren beseitigen
- ASS oder Clopidogrel
- Carotis-Thrombendarteriektomie
- Perkutane transluminale Angioplastie (PTA)