Pneumonien
Interstitielle Pneumonie:
Entzündung des Lungeninterstitiums
Bronchopneumonie:
Herdförmige durch peribronchiale Infiltrate gekennzeichnete Pneumonie
Lobärpneumonie:
Auf einen Lungenlappen beschränkte Pneumonie
Erreger:
| Spontan erworben: | Nosokomial erworben: |
|---|---|
| Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) | Pseudomonas aeruginosa |
| Haemophilus influenzae | Staphylococcus aureus |
| Mycoplasma pneumoniae | Enterobacteriaceae |
| Chlamydia psittaci, Chlamydia pneumoniae | Legionella pneumophila |
| Legionella pneumophila | Candida |
| Aspergillen | |
| Cryptococcus neoformans |
Typische Pneumonie:
- Durch Pneumokokken verursacht
- Schnell verlaufend
- Meist nur ein Lappen befallen (Lobärpneumonie)
Atypische Pneumonie:
- Durch Mykoplasmen, Chlamydien, Adeno-, Parainfluenzae-, RS-Viren u.a. verursacht
- Prädispositionen: Nikotinabusus, chronische Bronchitiden, Bronchiektasien, Cystische Fibrose, Linksherzinsuffizienz, Alkoholismus, Anfallsleiden, Abwehrschwäche (z.B. Diabetes mellitus, Virusinfektion)
- Die physiologische Rachenflora besteht aus ca. 109 Keimen pro ml Speichel mit einem Verhältnis von Anaerobiern zu Aerobiern von 100/1; sie besteht aus vergrünenden Streptokokken, apathogenen Neisserien und Corynebakterien und in geringen Mengen aus Pneumokokken, Haemophilus influenzae, A-Streptokokken und Meningokokken
1. Pneumokokken (= Streptococcus pneumoniae)
- Grampositive, katalasenegative Diplokokken; vergrünend (alpha-hämolytisch); bilden eine typische Kolonieform
- DD: Gallelöslich, optochinempfindlich; biochemische DD
- Verursachen Lobärpneumonien, akute und chronische Bronchitiden, Meningitiden, Otitis media, Sinusitiden, Bakteriaemien und können in andere Organe metastasieren; sind selten Verursacher einer Peritonitis oder einer Arthritis
- Infektionen treten vor allem bei Kindern unter vier Jahren und bei älteren Menschen auf, bei Rauchern, Alkoholikern, bei Patienten mit einer chronischen Bronchitis oder nach einer Milzexstirpation (deshalb ist vorher eine Impfung mit Pneumovax erforderlich)
- Pathogenitätsfaktoren: Extrazelluläre Erreger; besitzen eine Schleimkapsel von der mehr als 80 verschiedene Serotypen existieren; Pneumolysin (porenbildendes Cytotoxin); IgA-Proteasen; Kolonisierungsfaktoren
- Therapie: Penicillin G; evtl. Erythromycin
2. Legionella
- Gramnegative, katalasepositive Stäbchen; langsam wachsend und schlecht anfärbbar; besitzen eine große Heterogenität
- Kommen ubiquitär in Gewässern, Wasserleitungen, Klimaanlagen etc. vor; die Übertragung erfolgt dementsprechend aerogen
- Legionella pneumophila ist der Verursacher der Legionärskrankheit, einer atypischen Pneumonie mit trockenem Husten, hohem Fieber, Pleuritis, Leukozytose, ZNS-Beteiligung, erhöhten Leber- und Nierenwerten und hoher Letalität
- Diagnose: Anzucht, Direktnachweis-IFT, Antigene im Urin, Serologie-IFT
- Therapie: Erythromycin, evtl. + Rifampicin, alternativ Tetracyclin, Gyrasehemmer
3. Bordetella
- Gramnegatives, langsam wachsendes und dehalb schwer anzüchtbares Stäbchen
- Bordetella pertussis ist der Erreger des Keuchhustens: Tröpfcheninfektion => nach ca. zwei Wochen entwickelt sich das katarrhalische Stadium (Stadium catarrhale): Immittiert eine gewöhnliche Erkältung => Paroxysmales Stadium (Stadium convulsivum): Husten mit inspiratorischem Stridor bis hin zum Erbrechen und zur Zyanose => Konvaleszentes Stadium (Stadium decrementi): Abklingen des Hustens
- Es kann auch zu einer Pneumonie, Otitis media oder Enzephalopathie kommen
- Pathogenitätsfaktoren: Extrazellulärer Erreger; Adhärenz an zilientragendem Epithel; Toxine: Pertussistoxin, LPS, Adenylatcyclasetoxin
- Diagnose: Kulturell nur sehr schlecht (s.o.), IFT, PCR, Serologie
- Therapie: Erythromycin oder Ampicillin zur Minderung der Transmission
- Impfung: Durch rekombinante Impfstoffe möglich
4. Mycoplasma pneumoniae
- Winziges Bakterium ohne Zellwand das deshalb keine feste Gestalt hat und nur schwer anfärbbar ist
- Die Übertragung dieses weltweit vorhandenen Erregers erfolgt durch Tröpfcheninfektion
- Bei Kindern die jünger als drei Jahre sind verursacht er vor allem Entzündungen des oberen Respirationstraktes, bei Kindern zwischen fünf und zwanzig Jahren aber auch Bronchitiden und interstitielle Pneumonien
- Symptome: Langsamer Krankheitsbeginn, Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerzen, Husten, in 5-10% der Fälle Tracheobronchitis oder Pneumonie; verursacht an der Haut besonders bei jüngeren Patienten auch das sogenannte Stevens-Johnson Syndrom; außerdem kann es zu Arrhythmien, Herzinsuffizienz, Meningitis, Meningoenzephalitis, GBS, peripheren Neuropathien sowie Polyarthralgien kommen
- Pathogenitätsfaktoren: Extrazellulärer Erreger; Anheftung an die Bronchialepithelzellen, Zytotoxizität durch die Produktion von Wasserstoffperoxid
- Diagnose: Serologie (EIA, Komplementbindungsreaktion, Kälteagglutinine), Antigen-Capture, PCR, Kultur
- Therapie: Meist ist eine Therapie nicht notwendig, sie kann jedoch die Symptomdauer verkürzen; Kinder: Erythromycin; Erwachsene: Tetrazyklin (bei Kindern kontraindiziert, da es sich bei ihnen in die Zähne einlagert), Ciprofloxacin, Azithromycin
- Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum sind ebenfalls zellwandlose Mycoplasmen, die zur physiologischen Flora des Urogenitaltraktes gehören, aber auch eine Zystitis, Urethritis, Prostatitis, Bartholinitis, Salpingitis und Puerperalinfektionen hervorrufen können; Diagnose und Therapie erfolgen wie bei Mycoplasma pneumoniae
5. Chlamydien
- Kleine, runde, gramnegative Bakterien
- Dringen in der Form des Elementarkörperchens in die Zelle ein und wandeln sich dort um in das Retikularkörperchen; dieses ist sehr empfindlich und vermehrt sich nur intrazellulär; die Erreger verlassen die Zelle wieder als Elementarkörperchen
Chlamydium psittaci:
- Kommt in Tieren (v.a. Vögeln) vor und wird durch deren Ausscheidungen übertragen (Psittakose / Ornithose); die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt oder über Aerosole und nur sehr selten von Mensch zu Mensch
- Verursacht Fieber, Husten, Splenomegalie, atypische Pneumonien, Bradykardie (systemische Erkrankung); die Letalität liegt unbehandelt bei 20%
- Diagnose: Durch die Serologie ist keine Antikörper-Differenzierung möglich; Kultur, PCR
- Therapie: Tetrazyklin, Doxyzyklin, Erythromycin
Chlamydium pneumoniae:
- Besitzt als Reservoir den Menschen und wird über Tröpfcheninfektion übertragen
- Verursacht meist nur eine milde Pharyngitis oder Bronchitis, bei älteren Menschen kann es jedoch auch zu einer Pneumonie kommen
- Diagnose: Spezifischer Antikörper-Nachweis, PCR
- DD: Legionellen, Pneumocystis carinii-Infektion, RSV, Influenzaviren, Adenoviren, Cytomegalieviren
- Therapie: Tetracyclin, Erythromycin