Magen-Darm-Infektionen
- Die normale Darmflora besteht aus circa 800 verschiedenen Arten wobei zum Teil ein Kommensalismus und zum Teil auch ein Synergismus zwischen Mensch und Bakterien besteht; ein Gramm Faeces enthalten circa 1011-1012 Bakterien
| Magen |
Jejunum |
Ileum |
Colon |
|---|
| Helicobacter pylori | Vibrio cholerae | Salmonellen | Shigellen |
| ETEC (enterotoxischer E. coli) | EPEC (enteropathogener E. coli), CNEC | EIEC (enteroinvasiver E. coli), EHEC (enterohämorrhagischer E. coli) |
| Yersinien | Aeromonas |
| Campylobacter | Clostridium difficile |
1. Helicobacter pylori
- Ist der häufigste Erreger weltweit
- Gramnegatives, mikroaerophiles Stäbchen
- Produziert Urease welche Harnstoff in Kohlendioxid und Ammoniak zersetzt und dadurch die Magensäure neutralisiert; der Nachweis erfolgt unter anderem indem man dem Patienten mit 13C markierten Harnstoff zu Trinken gibt und das 13C im abgeatmeten Kohlendioxid mißt
- Zerstört die Magenschleimhaut und verursacht dadurch eine chronische Oberflächengastritis, Magen- und Duodenalulcera sowie Wucherungen von Lymphgewebe; eine chronisch atrophische Gastritis führt gelegentlich zur Entwicklung eines Adenokarzinoms
- Diagnostik: Antikörperserologie
- Therapie: Ampicillin, Metronidazol, Clindamycin
2. Vibrio cholerae
- Gramnegatives Kommabakterium
- Das AB-Toxin verursacht durch Aktivierung einer Adenylatzyklase einen Ausstrom von Ionen und Wasser und dadurch wässrigen Durchfall (Reiswasserstühle); es kommt zu Blutdruckabfall, Tachykardie, Anurie, etc; die Letalität beträgt unbehandelt 30-60%
- Die Übertragung erfolgt durch verunreinigtes Trinkwasser und Nahrungsmittel
- Diagnostik: Anzucht und mikroskopischer Nachweis
- Zur Behandlung empfiehlt die WHO abgekochtes Wasser, Glucose, Kochsalz und eventuell Kalium
- Eine Impfung mit abgetöteten Choleravibrionen ist zwar möglich allerdings relativ unsicher und auch nur kurz wirksam
3. Salmonellen
- Gramnegative Stäbchen die zu den Enterobakterien zählen
- Salmonellen, Yersinien, Campylobacter, EPEC und CNEC verursachen eine Gastroenteritis (=terminale Ileitis) mit Fieber, Bauchkrämpfen, Durchfällen und Erbrechen
- Erreger der Salmonellose ist Salmonella enterica von dem es über 2000 verschiedene Serotypen gibt; diese werden nach dem O-Antigen (ein Lipopolysaccharid und Endotoxin), dem H-Antigen (Geißelantigen) und dem Vi-Antigen (Kapsel) typisiert
- Diagnostik: Selektivmedien, Bunte Reihe, Objektträger-Agglutination
- Die Inkubationszeit beträgt bei der Salmonellose nur wenige Stunden; die Behandlung besteht aus Bettruhe und Flüssigkeitssubstitution; eventuell können Gyrasehemmer gegeben werden, besser aber nicht
- Salmonella typhi und Salmonella paratyphi sind die Erreger des Typhus; nach einer Inkubationszeit von 7-14 Tagen treten Fieber, Angina und Bronchitis, Abgeschlagenheit und schließlich Milzschwellung, Roseolen und eine Bradykardie auf; erst nach zwei Wochen kommt es zu eventuell blutigen Durchfällen
- Komplikationen des Typhus sind Darmblutungen, Perforationsperitonitis, Toxinschock und Myokarditis
- Therapie bei Typhus: Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Ampicillin, Flüssigkeits- und Elektrolytersatz; die Impfung mit abgetöteten Typhuserregern verleiht keinen sicheren Schutz
4.Yersinien
- Gramnegativ, oval oder länglich
- Yersinia enterocolitica vermehrt sich zum Beispiel in Schweinen und wird durch kontaminierte Lebensmittel oder direkt übertragen
- Yersinien können außer einer Enteritis auch eine mesenteriale Lymphadenitis, Uveitis, Pharyngitis, reaktive Arthritis oder ein Erythema nodosum verursachen
- Diagnostik: Erregerisolierung aus Stuhl, Lymphknoten, Appendix, Eiter, Blut
- Therapie: Tetrazykline oder Chloramphenicol bei Septikämien
5. Campylobacter
- Gramnegatives, schrauben- oder kommaförmiges Bakterium
- Campylobacter jejuni kommt in Geflügel, Schweinen, Rindern und Schafen vor
- Er verursacht Bauchkrämpfe, schleimig-blutigen Durchfall, Fieber, Abszesse und Sepsis
- Als Folgeerkrankungen kann es zu einem Morbus Reiter, einem Guillan-Barre Syndrom, einer reaktiven Arthritis oder einem Erythema nodosum kommen
- Diagnostik: Selektivmedien und biochemisch
- Therapie: Erythromycin, Aminoglykoside, Ampicillin
6. Shigellen
- Gramnegative Stäbchen die zu den Enterobakterien zählen
- Die Erreger sind S. dysenteriae, S. flexneri, S. sonnei und S. boydii von denen es wiederum verschiedene Typen gibt
- Sie sind die Erreger der Bakterienruhr die zu Nekrosen, Geschwürbildungen, Blutungen und der Bildung einer Pseudomembran führen kann; es kommt zu Bauchkrämpfen, Durchfällen, Fieber und Dehydration
- Die Übertragung erfolgt zum Beispiel durch Fliegen vom Kot eines Erkrankten auf Lebensmittel und von dort auf den Empfänger
- Die Diagnose erfolgt aus einer Stuhlprobe mittels Selektivmedien
- Therapie: Tetrazykline, Ampicillin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol
7. Escherichia coli
- Gramnegatives, fakultativ anaerobes Stäbchen
| Enteropathogener E. coli (EPEC) |
Enterotoxischer E. coli (ETEC) |
Enteroinvasiver E. coli (EIEC) |
Enterohämorrhagischer E. coli (EHEC oder VTEC) |
|---|
| Säuglingsenteritis mit wässrigen Durchfällen und Erbrechen | Reisediarrhoen | Ruhr-ähnliche Diarrhoe mit blutig-schleimigen Durchfällen | Hämorrhagische Colitis mit wässrigen bis blutigen Durchfällen ohne Fieber |
| Choleratoxin-ähnliches Toxin verursacht wässrigen Durchfall | Können in Darmepithelzellen eindringen | Besitzen ein Shiga-ähnliches Toxin |
- Therapie: Amino- und Ureidopenicilline, Cephalosporine, Chinolone, Cotrimoxazol, Flüssigkeits- und Elektrolytersatz
- Bei EHECs kann es bei Gabe von Antibiotika und der dadurch bedingten Freisetzung einer großen Menge von Toxinen zu einem hämolytisch-urämischen Syndrom kommen mit Nierenversagen, Thrombozytopenie und hämolytischer Anämie; deshalb:
!!! Bei Infektionen mit EHEC keine Antibiotika geben !!!