Harnwegsinfektionen
- Kommen vor allem bei Säuglingen, erwachsenen Frauen und im Senium von Männern und Frauen vor
- Pollakisurie: häufiges Wasserlassen; Dysurie: Schmerzen beim Wasserlassen; Bakteriurie: Bakterien im Urin; Pyurie: Eiter (Granulozyten) im Urin
- Obere Harnwege: Nierenbecken (=> Pyelonephritis), Harnleiter
- Untere Harnwege: Harnblase (=> Zystitis), Harnröhre (=> Urethritis), Prostata (=> Prostatitis), Samenblase
- unkompliziert = primär = spontan
- kompliziert = sekundär (z.B. iatrogen (Dauerkatheder), obstruktiv (Harnsteine, Prostatahyperplasie), nosokomial, rezidivierend)
| Normalflora | Pathogene Erreger | |
|---|---|---|
| Aerobe grampositive und gramnegative Keime sowie Anaerobier | Primär (zu 50% Mischinfektionen) | Sekundär (zu 20% Mischinfektionen) |
| E. coli (60-80%) | E.coli (50%) | |
| Proteus: Ist häufig assoziiert mit der Bildung von Harnsteinen | Klebsiella: Kommt häufig bei Diabetikern vor und ist häufig multiresistent | |
| Enterobacter | Pseudomonas aeruginosa: Ist ebenfalls häufig multiresistent | |
| B-Streptokokken | Proteus vulgaris | |
| Enterokokken | Candida | |
| Staphylococcus saprophyticus (Honey-moon-Zystitis) | ||
| Staphylococcus aureus | ||
| Chlamydien | ||
- Bei einer sterilen Pyurie sind differentialdiagnostisch an Chlamydien und Mykobakterien zu denken
Pathogenitätsfaktoren:
- Adhäsine: Fimbrien
- Hämolysin: Porin, das Leukozyten aber auch das Tubulusepithel lysieren kann
- Zytotoxischer nekrotisierender Faktor (CNF)
- Siderophore: Fe3+-Aufnahme, Immunsuppression?, Zytotoxizität?
- Schwärmende Beweglichkeit
- Kapsel aus Polysacchariden
- Urease: Hydrolysiert Harnstoff wodurch sich der pH-Wert erhöht; es kommt zur Schädigung von Epithelzellen und zur vermehrten Harnsteinbildung
- Metalloproteasen: Zerstören IgA
- Abwehrmechanismen: Urinfluss, Bakterizidie des Urins und Prostatasekrets, Tamm-Horsfall Glykoprotein (bindet an Adhäsine von Bakterien), spezifische Immunantwort, Entzündungsreaktion
| Zystitis: | Auf ein Organ beschränkt, Polyurie, Brennen beim Wasserlassen |
|---|---|
| Akute Pyelonephritis: | Generalisierte, systemische Erkrankung |
| Chronische Pyelonephritis: | Klinisch und mikrobiologisch meist ohne Befund |
Diagnostik:
- Die Diagnostik muß immer sowohl quantitativ als auch qualitativ erfolgen
- Mittelstrahlurin. Eine signifikante Bakteriurie liegt vor wenn die Keimzahl über 105 Bakterien pro ml Urin liegt. Eine Kontamination ist wahrscheinlich, wenn weniger als 103 Bakterien pro ml oder mehr als drei verschiedene Spezies vorliegen, wenn einer von drei Keimen nicht uropathogen ist oder wenn nicht ein Keim zu mehr als 80% überwiegt
- Katheterurin (Einmalkatheter besser als Dauerkatheter)
- Blasenpunktionsurin
- Fistelurin aus dem Nierenbecken
Therapie:
- Bettruhe, Flüssigkeitszufuhr, Wärme, gegebenenfalls Spasmolytika
- Antibiotika (bei Zystitis single dose oder short course, bei Pyelonephritis drei Wochen p. o. oder i. v. ; z.B. Cotrimoxazol, Amoxycillin, Norfloxacin; bei Chlamydien: Tetrazyklin, Erythromycin)