Atemwegsinfektionen
Normalflora der Mundschleimhaut:
| Häufig: | Viridans Streptokokken (alpha-Hämolyse) | Gelegentlich: | Streptococcus pyogenes | Selten: | Corynebacterium diphteriae |
|---|---|---|---|---|---|
| Neisseria | Streptococcus pneumoniae | Klebsiella pneumoniae | |||
| Brauhamella | Neisseria meningitides | Pseudomonas spp. | |||
| Corynebacterium spp. | |||||
| Bacteroides spp. |
1. A-Streptokokken Infektionen
- Grampositive Kettenkokken, auf Blutagarplatten beta-hämolysierend (vollständige Hämolyse)
- Verursachen lokale Infektionen wie Erysipel, Phlegmone, Sinusitis, Impetigo, Tonsillitis und Allgemeininfektionen wie Sepsis, septischen Schock und Scharlach
Tonsillitis:
- Verursacher: Streptococcus pyogenes
- Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion; Inkubationszeit 2-4 Tage
- Fieber, Halsenge (Angina), geschwollene, eitrig belegte Tonsillen
- Es besteht die Gefahr eines Peritonsillarabszesses, einer Otitis media, Scharlach oder einer Poststreptokokken-Krankheit
- Diagnostik: Kultureller Erregernachweis von beta-hämolysierenden Streptokokken der Lancefield Gruppe A; Serologie; molekular
- DD: Die meisten Tonsillitiden sind viral verursacht
- Therapie: Penicilline (Penicillin V), Oralcephalosporine (Cefalexin, Cefaclor), Makrolide (Erythromycin, Clarithromycin) für 10 Tage
Scharlach:
- Tritt 1-2 Tage nach einer Pharyngitis oder Tonsillitis auf
- Gekennzeichnet durch die typische »Himbeer-Zunge«, Enanthem im Rachen, kleinfleckiges Exanthem an den Oberschenkeln und der Brust
- Das Scharlachexanthem wird durch das sogenannte erythrogene Toxin hervorgerufen, ein Toxin das von einem Prophagen codiert wird
- Die gegen das Toxin gebildeten Antikörper bilden zwar einen Schutz gegen einen erneuten Ausbruch von Scharlach, nicht aber gegen die Tonsillitis; diese Patienten können asymptomatisch sein und bei nicht immunen Personen Scharlach hervorrufen
Poststreptokokken- Erkrankungen:
- Es kann im Anschluß an eine Infektion mit A-Streptokokken zu einer Glomerulonephritis kommen mit nephrotischem Syndrom (Proteinurie, Oedeme, Hypo- und Dysproteinämie, Hyperlipidämie) oder Haematurie; die Ursache sind zirkulierende Antigen-Antikörper Komplexe (Immunreaktion vom Typ III); die Prognose ist relativ gut
- Beim Rheumatisches Fieber handelt es sich um eine Autoimmunreaktion die Gelenke (Polyarthritis), Herz (Endo-, Myo-, Perikarditis), (Sub-)Kutis (Erythema marginatum) und ZNS (Chorea minor) betreffen kann; beginnt ca. zwei Wochen nach einer Streptokokkeninfektion mit Allgemeinreaktionen und hohem Fieber
2. Diphterie
- Erreger: Corynebacterium diphteriae: Grampositives, unbewegliches Stäbchen, Neisser-färbbar; nur Stämme die einen bestimmten Phagen enthalten produzieren das Diphterietoxin
- Übertragung durch Tröpfcheninfektion; Inkubationszeit 3-5 Tage
- Die Diphterie ist gekennzeichnet durch weißlich-bräunliche Beläge (Pseudomembranen) auf den entzündeten Schleimhäuten und Tonsillen; es kann zu einer Kehlkopfdiphterie (Krupp), Nasendiphterie, Augendiphterie oder Wunddiphterie kommen; bei einer systemischen Streuung des Exotoxins kann es zu Kreislaufversagen, Myokarditis, Halsschwellung, Nierenversagen und Polyneuritis diphterica kommen
- Pathogenese: Das Diphterietoxin ist ein Exotoxin das zum Abbruch der Proteinsynthese durch ADP-Ribosylierung eines Elongationsfaktors und dadurch zu Zellnekrosen und zur Entstehung der charakteristischen Pseudomembranen führt; es handelt sich um ein AB-Toxin, dessen B-Teil an Zellrezeptoren bindet, während das A-Fragment in den Zellen an den Ribosomen wirkt
- Diagnostik: Klinik (die Patienten verbreiten einen charakteristischen süßlichen Geruch), Färbung, Kultur, Biochemie
- Therapie: Antitoxin-Gabe aus Pferdeserum bei Diphterieverdacht (Gefahr einer allergischen Reaktion); unterstützend Penincillin G und Erythromycin; alle an Diphterie erkrankten Patienten müssen isoliert werden
- Impfung durch DTP ist möglich und sollte alle 10 Jahre aufgefrischt werden