Anaerobier
- Sauerstoff ist für Anaerobier toxisch, da sie keine Superoxiddismutase, Katalase oder Peroxidase besitzen um reaktive Sauerstoffradikale abzubauen
| Obligat aerob: | Pseudomonas, Legionella, Neisseria |
|---|---|
| Fakultativ anaerob: | Enterobacteriaceae (E. coli, Klebsiellen) |
| Obligat anaerob: | Bacteroides, Clostridium |
- Physiologisches Vorkommen: Dickdarm, Haut, Mund, Rachen, Vagina
- Häufig durch Anaerobier ausgelöste Infektionen: Sepsis, Peritonitis, Empyeme, Infektionen im Hals-Nasen-Ohren und Zahn-Mund-Kiefer Bereich, Leber-, Lungen-, ZNS-, gynäkologische Abszesse, Aspirationspneumonie, Appendizitis; meistens handelt es sich um Mischinfektionen
Peritonitis:
- Endogene Mischinfektion zum Beispiel durch Bacteroides spp.
- Besteht aus einer frühen, diffusen Phase (z.B. durch E. coli) und einer späten, lokalen Phase (z.B. durch Bacteroides spp.)
Abszeß:
- Eiteransammlung in einer nicht präformierten Höhle, zum Beispiel durch Gewebeeinschmelzung
- Zur Diagnostik ist Gewebe aus der Abszeßkapsel besser als Eiter, da dieser nur noch aus toten Zellen und Granulozyten besteht
- Therapie: Punktion, operative Ausräumung, adjuvante Antibiotikatherapie
1. Fusobakterien
- Gramnegative Stäbchen in Speerspitzenform; im Grampräparat sind sogenannte Drusen zu erkennen
- Sind Bestandteil der Normalflora, können jedoch auch bei Mischinfektionen beteiligt sein
- Angina-Plaut-Vincent: Infektion durch Spirochaeten und Fusobakterien
2. Bacteroides spp.
- Gramnegative, kurze Stäbchen; langsam wachsend
- Gehören zur physiologischen Darmflora; sind bei Abszessen und Mischinfektionen beteiligt
- Pathogenitätsfaktoren: Agglutinine, Kollagenasen, Hyaluronidasen, Sauerstofftoleranz, Kapsel welche die Phagozytose verhindert, Short-chain-fatty-acids (SCFA) hemmen die Granulozyten
3. Clostridien
- Sporenbildende Stäbchen, obligat anaerob, grampositiv
- Verursachen hauptsächlich Intoxikationen weshalb der Toxinnachweis wichtiger ist als der Erregernachweis
Clostridium perfringens:
- Ist der wichtigste Erreger des Gasbrands, einer nekrotisierenden Haut- und Weichteilinfektion
- Tritt vor allem bei anaeroben Wundverhältnissen und Fremdkörpern in der Wunde auf
- Äußert sich in Wundschwellung und -schmerz, Tachykardie, Unruhe, toxischem Delir, Toxinämie, Krepitationen und Blasenbildung
- Die Diagnose kann radiologisch erfolgen
- Therapie: chirurgische Wundtoilette (evtl. Amputation), Immunseren, Penicillin, Metronidazol
- Des weiteren kann C. perfringens durch eine Vielzahl von Toxinen eine Sepsis, Enteritis necroticans oder Lebensmittelvergiftungen verursachen
Clostridium tetani:
- Verursacht nach einer Inkubationszeit von drei Tagen bis drei Wochen Tetanus (Wundstarrkrampf)
- Das Tetanustoxin besteht aus einer alpha-Kette welche Ganglioside bindet und einer beta-Kette welche die Freisetzung inhibitorischer Transmitter hemmt
- Dies führt zu krampfartigen, schmerzhaften, tonischen Kontraktionen der Muskulatur die bis zum Ersticken des Patienten führen können
- Die Diagnostik muß noch immer durch den Tierversuch erfolgen (Robbenstellung der Ratte)
- Therapie: Antitoxin, chirurgische Wundsanierung, Muskelrelaxantien
- Die aktive Immunisierung erfolgt mit einem unwirksamen Toxoid
Clostridium botulinum:
- Es gibt keine Infektionen sondern nur Intoxikationen durch diesen Erreger
- Bereits 0,1 ug des Toxins, welches die Acetylcholin-Freisetzung an der motorischen Endplatte hemmt, sind für den Menschen letal
- Das Toxin wird durch verseuchte Lebensmittel (z.B. Konserven) aufgenommen und führt zu multiplen Paralysen (Doppelbilder, Schluck- und Sprechbeschwerden, Atemlähmung)
- Auch hier erfolgt die Diagnose über den Tierversuch (Wespentaille der Ratte)
- Therapie: polyvalentes Antitoxin
- C. botulinum kann außerdem Verursacher des Säuglingsbotulismus und des Wundbotulismus sein
Clostridium difficile:
- Häufiger Erreger der pseudomembranösen Colitis die manchmal im Rahmen einer Antibiotikatherapie auftritt
- Symptome: Fieber, Diarrhoe, Bauchkrämpfe, Schock, Kolonperforation
- Therapie: Vancomycin